Diese kleine, heitere Kurzgeschichte ist eine Abwandlung einer Begebenheit, die in unserer Familie wirklich passiert ist.

Lauchlametta

Heidi Metzmeier Icon

Die folgende Kurzgeschichte ist ein Beitrag im Rahmen des Adventskalenders (#adventsgezumpel) unserer kreativ-chaotischen Autorentruppe @autorengezumpel. Wir veröffentlichen unsere Beiträge auch alle unter diesem Account auf Instagram. Schau gern mal vorbei, um die Geschichten hinter den anderen Kalendertürchen zu sehen.

Für die Advents-Geschichte gab es eine Vorgabe. Im Text sollten folgende Begriffe vorkommen: Geist, Kerze, Lauch, Schwanenhals und Osterei. Seht selbst, ob ich die Aufgabe gemeistert habe 😊

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Ich weiß nicht, wie lange ich das noch kann, dachte Gerda, als sie die Holzleiter zum Dachboden herunterlies. Sie hielt sich mit der rechten Hand am wackeligen Handlauf fest und stieg Sprosse für Sprosse empor. Der Anblick der sich ihr bot, als sie den Speicher betrat, nahm ihr – wie jedes Jahr – den Atem.

„Werner, wir müssen hier UNBEDINGT aufräumen!“, rief sie in Richtung der Öffnung, die sie gerade durchschritten hatte. Sie wusste jedoch, dass ihr Mann sie nicht hören konnte. Und selbst wenn, würde er ihre Aufforderung ignorieren.

Wer bitte braucht einen alten Schwanenhals, wenn das Autoradio das damit befestigt war (samt Auto, aus den siebziger Jahren!), nicht mehr existierte? Gerda schüttelte den Kopf. Sie versuchte sich auf ihre Mission zu konzentrieren. Diese hieß: Christbaumschmuck finden!

„Das ganze Durcheinander geht mir so dermaßen auf den Geist“, murmelte Gerda vor sich hin, als sie eine Verpackung nach der anderen öffnete, um ihren geliebten Baumschmuck zu finden. Sie hätte sich des ganzen Plunders hier oben schon längst entledigt, aber Werner konnte nicht loslassen. Für die Debatten, die das auslösen würde, hatte sie keine Nerven. Also suchte sie weiter. In dieser Schachtel waren zumindest die Kerzen, samt Halterung. Ein guter Anfang, dachte sie. Doch schon beim nächsten Karton wurde sie wieder enttäuscht: Kunstvoll verzierte Ostereier aus Holz! „Verdammt nochmal. WERNER!!!!“ Langsam riss ihr der Geduldsfaden.

Ihr Mann war inzwischen auf die Leiter gestiegen, gerade so weit, dass sein Kopf durch die Öffnung zum Speicher schaute. Gerda musste beinahe schmunzeln beim Anblick des scheinbar halslosen, definitiv haarlosen Kopfes, aus dem sie zwei dunkle Knopfaugen schelmisch anlächelten. Ihre schlechte Laune war Werner nicht verborgen geblieben. Er versuchte sich an einem Scherz. „Ist denn schon wieder Lametta?“

Gerda schnaubte. „Kannst du mir mal verraten, was du mit dem Weihnachtsbaumschmuck gemacht hast?“, wollte sie von ihm wissen.
„Ich kann mich nicht erinnern Liebes!“, gab er kleinlaut zurück.
„Ja soll ich den Baum in diesem Jahr vielleicht mit Lauchstreifen garnieren?“
Bei der Vorstellung brachen sie beide in schallendes Gelächter aus.

Plötzlich schlug sich Werner mit der flachen Hand gegen die Stirn.
„Schatz, weißt du noch, womit du den Schmuck im letzten Jahr zusammengepackt hast, weil deine Geduld nicht ausreichte, um auf den Karton zu warten, den ich dir besorgen wollte?“ Gerade dachte eine Weile nach, dann dämmerte es ihr. „Ich habe einen gelben Sack genommen, so wie wir ihn für den Plastikmüll verwenden.“
„Exakt! Und den hast du dann in den Flur gestellt, richtig?“, fragte Werner.
Gerda schwante nichts Gutes. „Ja, und?“
„Na in der Woche war Plastikmüll dran…“
Nun rollte Gerda mit den Augen. „Du hast den gelben Sack auf die Straße gestellt, für die Müllabfuhr!?“
Werner brauchte nicht zu antworten. Sie wusste, dass sie ins Schwarze getroffen hatte.

Als ihre Kinder mitsamt ihren Familien am Heiligabend bei Gerda und Werner eintrafen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern, trauten sie ihren Augen nicht. Der Weihnachtsbaum war zum ersten Mal nicht – wie üblich – mit bunten Kugeln und Lametta geschmückt, sondern mit Holzfiguren und Strohsternen. Gerda setzte zu einer Erklärung an: „Papa hat endlich aufgeräumt!“ Dann platzten beide vor Lachen.

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