‚“Ich bin des Winters so furchtbar müde“, sagte die blasse Fee, die zu Füßen des grünen Baumriesen saß, der in diesem Moment die Reste des letzten Schneefalls von seinen Ästen schüttelte.
„Man möchte meinen, dass er jedes Jahr länger dauert, Prinzessin“, antwortete er.
„Was für ein Quatsch!“ Der Gnom aus den Bodenlanden streckte seine rote Mütze aus einem Erdloch und pustete sich vehement einen Schlammklumpen von seiner Knubbelnase. „Der Winter ist immer gleich lang, nur eure Geduld wird jedes Jahr kürzer.“
Als eine Biene zwischen ihnen hindurch flog, sahen alle drei ihr verträumt hinterher. „Da habt ihr es, der untrügliche Beweis für den Frühling.“
„Eine Biene macht noch kein Volk“, knurrte der Baumriese mürrisch.Die Fee seufzte und ließ traurig ihre transluzenten Flügel hängen. Plötzlich vernahmen sie ein Grollen, das rasch lauter wurde. Je näher es kam, um so deutlicher wurde, dass es sich um Hufgetrappel handelte.
„Das ist doch nicht etwa der Bote?“ Die Fee bekam vor Aufregung gerötete Wangen und sprang auf.
„Ihr meint das Einhorn?“, flüsterte der Gnom. Andere Wesen hatten die Vibration der Erde ebenfalls wahrgenommen und strömten auf dem großen Naturplatz zusammen. Wenn die Magie der Freiheit, des Friedens und der Vielfalt Einzug hielt, wollten alle dabei sein.
Und tatsächlich, der Schimmel, mit dem Horn in Regenbogenfarben, galoppierte geradewegs auf die Versammlung zu. Er blieb vor der Fee stehen, senkte mehrfach den Kopf und hob ihn wieder, wobei sein samtweiches Haar in Wellen um seinen Kopf wogte.
„Ich bin gekommen, um Euch Kunde zu überbringen“, sagte das Tier mit tiefer Stimme. „Der Zyklus beginnt von Neuem, doch die Vorzeichen haben sich geändert.“
„Was meint Ihr damit?“, wollte die Prinzessin wissen.
„Der Frühling kommt, aber er wird wenig Licht bringen, wenn wir den Menschen nicht mit vereinten Kräften helfen, ihre Weisheit wiederzufinden“, antwortete das edle Tier.
„Na danke“, knurrte der Gnom. „Da verkrieche ich mich doch lieber wieder in mein Loch.“
„Fee, ich zähle auf Euch“, mahnte das Einhorn. „Haltet die Wesen des Waldes zusammen, sonst sind wir alle verloren.“
Die Fee straffte ihre Flügel und sprach: „Volk der Gestirne und Gezeiten. Wir haben es geahnt, doch nun haben wir Gewissheit. Es liegt an uns das Blatt zu wenden.”
„Und wie soll das gehen?“, brummte der Wolf, dessen Glieder immer noch schwer waren von der letzten Begegnung mit den kaltherzigen Zweibeinern.
„Liebe, mein Freund, in Liebe“, antwortete die Prinzessin.
Ein Fuchs lachte bitter auf. „Naivität wird unser Untergang sein.“
Die Prinzessin warf ihm einen strengen Blick zu.
„Wenn wir uns nicht einig werden, wird kein Frühling mehr kommen“, flüsterte sie.
Die Tiere schauten betreten zu Boden und nickten langsam, eines nach dem anderen.
Und so kam es, dass sich die Wesen des Waldes anschickten, den Menschen in Liebe die Weisheit zu bringen.
Ob es funktioniert hat? Nun, wir werden sehen, wie sich der Frühling entwickelt.

