Die Überfahrt von Bonifatio an der Südspitze Korsikas nach Santa Teresa Gallura ganz im Norden von Sardinien dauert gerade einmal eine Stunde. Wir machen es uns – mit Hund – im Bordrestaurant gemütlich. Nellie schläft auf dem Teppich zu unseren Füßen. Wir trinken das erste Ichnusa-Bier und essen Tramezzini. Über den Bildschirm an der Wand flimmert ein Weltcup-Skirennen. Die Franzosen neben uns lernen mit Hilfe von Babbel Deutsch.
Nachdem der Landy dem Bauch der Fähre entkommen ist und das Hafengelände verlassen hat, fahren wir den nächstgelegenen Strand an, damit Nellie sich lösen kann. Hier sind bereits mehr Camper auf einem Fleck versammelt, als wir in den gut drei Wochen auf Korsika getroffen haben. Als erstes Ziel peilen wir das kleine Städtchen Aggius an, das malerisch im Hinterland zwischen Felsen liegen soll. Nachdem wir den Ort auf der pittoresken Panoramastraße einmal umrundet haben, entscheiden wir uns, auf dem Parkplatz am Freilichttheater zu übernachten. Ein Fehler, denn als es dunkel ist, beginnt die Vorweihnachtsdisco und endet erst in den frühen Morgenstunden. Das war der vergebliche Versuch Stadtatmosphäre zu schnuppern.
Valle della Luna und Therme von Casteldoria
Das Valle della Luna zeichnet sich durch skurrile Felsformationen aus: Beige, runde Steine, die aussehen, als hätte sie jemand von Hand übereinander getürmt. In den sattgrünen Wiesen dazwischen grasen Kühe mit wahlweise rostrotem Fell oder ganz in weiß. Sie haben kleine sehr putzige Kälbchen. Eher zufällig landen wir wenig später bei den Thermen von Casteldoria. Hier steigt heißes Wasser aus den Tiefen der Erde auf und vermischt sich mit dem Fluss Coghinas. Man kann die Quellen sehr leicht erkennen, denn dort erhebt sich weißer Nebel, glücklich grinsende Menschen in Badebekleidung dümpeln im Wasser. Die warmen Stellen im Fluss erkennt man an Steinkreisen, die verhindern sollen, dass die Strömung das warme Wasser alsbald davonträgt. Ich packe erstmals auf dieser Reise meinen Bikini aus und geselle mich zu dem multikulturellen Mix an Männern und Frauen, die entspannt ausgestreckt daliegen. Schnell komme ich in Kontakt mit einer Schweizerin, die hier die letzten Stunden ihres Urlaubs verbringt, bevor sie mit der Fähre von Olbia nach Genua übersetzt. Sie wird an Weihnachten arbeiten, denn ihr Job ist die Leitung einer Obdachlosenunterkunft in Schaffhausen, die sie selbst aufgebaut hat. Diese bietet dreiundreißig Menschen ein Dach über dem Kopf. Die quirlige Person hat viel Empathie für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs sind. Unser Gespräch wird alsbald von einer Sardin unterbrochen, die mit kleinen Pappbechern bestückt, eine Flasche selbst gemachten Limoncello schwenkend, fröhlich eine Einladung zum Umtrunk ausspricht. Da liege ich in lauwarmem Wasser zwischen Frauen, die ich gerade erst kennengelernt habe, und fühle mich pudelwohl.
Peter kann dem Gedanken die Nacht hier zu verbringen auch einiges abgewinnen, zumal die Landschaft um uns herum – mit dem Canyon aus tiefroten Steinen, der sich in einer weiten Rechtskurve windet – einen lohnenden Spaziergang verspricht. Der Wanderweg führt am imposanten Bau der Therme (mit Hotelzimmern und Restaurant) vorbei – die leider im Moment nicht in Betrieb ist – führt ein Stück den Fluss entlang und windet sich sodann langsam in die Höhen. An der steilen Felswand gegenüber nisten Vögel, die ein rechtes Konzert veranstalten.
Zur Nacht parken wir zwischen Eukalyptusbäumen, ein Stück abseits der Therme, die, generatorbetrieben, hell erleuchtet ist. Das Rascheln der Blätter wiegt uns in einen tiefen, traumlosen Schlaf.


Bosa
Die Stadt gilt vielen Sardinienreisenden als schönste Stadt der Insel. Wir sind geneigt, uns diesem Urteil anzuschließen. Die Lage ist atemberaubend, denn das 8000 Seelen-Städtchen befindet sich zwei Kilometer landeinwärts vom Meer, mit eigenem Hafen, am Ufer des Fluss Temu, auf einem Hügel. Man sieht sie aus allen Richtungen schon von weitem, denn auf dem Hügel thront ihr imposantes Genueserkastell Malaspina und die Häuser von Bosa sind so bunt wie Legosteine. Wir parken den Landy am Temu-Ufer, das der Altstadt gegenüberliegt, direkt an einer Fußgängerbrücke. Weiter landeinwärts existiert eine Autobrücke, die ein bisschen an die steinernen Brücken von Heidelberg oder Regensburg erinnert, nur ohne Figuren. Die bunten Häuser, die teilweise so schmal sind, dass in der Breite lediglich ein Fenster Platz findet, schmiegen sich eng aneinander. Die Gassen dazwischen sind so schmal und steil, dass hier keine Fahrzeuge passieren können. Was uns überrascht ist das viele Grün. Hier hat fast jeder Pflanzen in Töpfe eingesät, welche die Straßenzüge verschönern. Um diese Jahreszeit kommen noch Girlanden hinzu, mit ausgefallenem Weihnachtsschmuck und Beleuchtung, welche die Straßen überspannen.
Hier kann man sich sicher stundenlang auf Erkundungstour begeben. Wir allerdings haben den denkbar schlechtesten Tag für unseren Ausflug erwischt. Es herrscht Sturm von bis zu 90 km/h, der das Meer ordentlich aufpeitscht. Mehr als einmal kommen wir auch in ordentlichen Hagel. Daher treibt es uns in eines der zahlreich vorhandenen Bars und Restaurants. Die Speisekarte überrascht nicht nur mit Vielfalt (von Pferd bis Bottarga s.u.) sondern auch mit sehr moderaten Preisen. Das I-Tüpfelchen sind Biersorten, die allesamt aus Sardinien stammen. Ich kann mich kaum entscheiden, greife dann aber zu Marduk, das wie die Gewürze der Macchia schmeckt und nach Pampelmuse riecht. Wobei es im Grunde ein Sakrileg ist in Bosa Bier zu trinken, denn in dieser Stadt wurde von einem sehr bescheidenen Mann namens Giovanni Battista Columbu der beste Malvasia-Wein ganz Italiens kreiert. Es gibt eine Doku über den Meister, die schon vor mehr als zwanzig Jahren in Cannes prämiert wurde. Noch heute pilgern zur Erntezeit Malvasia-Enthousiasten deshalb nach Bosa.



Camperroutinen
Zur Wahrheit des Lebens unterwegs gehört, dass man für die alltäglichen Dinge meist länger braucht, als zu Hause: Spülen von Hand, Wäsche waschen im Waschsalon, Ver- und Entsorgung und noch einiges mehr. Heute ist Waschtag. Der über die App angepeilte Salon ist mir sofort sympathisch, denn er bietet auch eine Waschmaschine und einen Trockner exklusiv für Haustierwäsche an. Die Maschinen nehmen allerdings nur 1-Euro-Münzen oder Marken. Hat man keine vorrätig, befindet sich in der Wand ein Gerät, welches Scheine wechselt. Zu meiner Überraschung spuckt der Automat eine Mischung aus 1-Euro-Stücken und Marken aus. Ich bringe die Marken zum Einsatz, weil mir klar ist, dass ich diese sonst nirgendwo gebrauchen kann. Trotzdem habe ich am Ende zwei übrig. Kurzerhand schenke ich den beiden Sardinnen, die mit mir im Salon sind, jeweils eine, mit den Worten „Happy Christmas“. Das herzliche Lachen, das ich von den beiden dafür ernte, begleitet mich durch den Tag.
Wir steuern zur Übernachtung den Caravanpark in Maragnani an, denn hier soll es warme Duschen geben. Die Lage lohnt sich, denn wir stehen mit dem Landy direkt am Meer, etwas erhöht über der Bucht, die man weithin überblicken kann. Die Duschen sind solarbetrieben. Da die Sonne sich für ein paar Stunden hat blicken lassen, ist das Wasser zumindest nicht ganz kalt. Lustig finden wir die Beschilderung. Diese besagt nämlich, dass man die Duschen nur angezogen verlassen soll. Das ist deshalb witzig, weil die Kabinen so winzig sind, dass sich allenfalls Pygmäen darin um die eigene Achse drehen können. Abgesehen davon wäre alles, was man mit hineinnimmt, innerhalb von Sekunden klatschnass.
Bevor wir uns einen Platz für die Weihnachtstage suchen, stockt Peter unsere Vorräte auf, unter anderem ein riesiges Bündel Artischocken. Wir nennen es „böses Gemüse“, weil das Grün sehr wehrhaft ist. Deshalb darf es auch nicht reinkommen, sondern reist im Ersatzrad auf der Motorhaube – mehr als einhundert Kilometer, teilweise über Autobahnen.

Stagno di Cabras und Marceddi
Der Fischerort Cabras liegt an einem großen See, der zu den fischreichsten von ganz Italien gehören soll. Wir folgen einer Piste die uns zu einem Plätzchen am Ufer bringt, außerhalb der Stadt, versteckt hinter ein paar Eukalyptusbäumen. Das Wasser schimmert leicht grünlich, der schmale Strand hat eine beige Farbe von Muschelschalen und Strukturen, die unter unseren Füßen knirschen, die wir aber nicht zuordnen können. In der Ferne tummeln sich Flamingos. Als es dunkel wird, können wir am anderen Ufer die Lichter des Städtchens sehen.
Wie die Menschen, die heute dort leben, drauf sind, können wir nicht beurteilen. Zu der Zeit allerdings, als der See – aus nicht überlieferten Gründen – in den Privatbesitz eines Adligen überging, der daraufhin die Zugangsrechte massiv beschnitt, zu dieser Zeit also, hielt man es hier noch mit der Selbstjustiz. Der Adlige jedenfalls verschwand unter – bis heute –ungeklärten Umständen und sein Wächter wurde ermordet. Danach fiel der See an die Kommune zurück und die Fischereirechte an die Lokalbevökerung.
Oft sind die spontanen Ideen die besten. Beim Blick auf das Navi auf der Weiterfahrt stelle ich fest, dass mich der Routenplaner einen Umweg schickt, obwohl bei Marceddi eine Brücke eingezeichnet ist. Das möchte ich genauer wissen. Also fahren wir durch Kulturland und an Massentierhaltung vorbei. Hier ist das Zentrum der sardischen Butter und Milchproduktion – auf kleinstem Raum. Der Geruch begleitet uns bis zur Küste. Dort landen wir in einem der wohl noch ursprünglichsten Fischerdörfchen auf Sardinien. Die kleinen, geduckten, einstöckigen Fischerhäuser stehen praktisch auf Meeresniveau, was uns zur Frage veranlasst, was diese Menschen tun werden, wenn der Spiegel steigt. Ihre am Strand verstreuten Boote verwandeln die Promenade in ein buntes Spektakel. Etwas weiter erstreckt sich am Ufer ein Pinienwäldchen, welches das Leben in den heißen Sommermonaten sicher erträglicher macht. Das angrenzende Naturschutzschutzgebiet können wir über einen Holzsteg erkunden. Rechts und links von uns Salzpflanzenwiesen und in der Ferne scheue Flamingos. Am Ende des Stegs ragt ein Turm aus Stein auf in dessen Nähe sich Bunkeranlagen befinden. Eine Reminiszenz an unrühmliche Tage, die uns hier immer mal wieder begegnet. Obwohl der Ort sehr klein ist, verfügt er über zwei Restaurants, eines davon – wie wir später feststellen – mit einem Ruf, der weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. An Weihnachten ist man daher ausgebucht. Wir haben im zweiten Restaurant mehr Glück und so komme ich zum ersten Mal in den Genuss der lokalen Spezialität Bottarga. Das ist der Rogen der Meeresche – natürlich auf Spaghetti.
Gut gestärkt fahren wir zur Brücke, die mehr eine Art Wehrmauer ist, so schmal, dass sie nur in einer Richtung befahren werden kann. Daher ist der Verkehr durch Ampeln geregelt. Ein Schild informiert uns in unserer Muttersprache darüber, dass wir maximal sieben Minuten warten müssen, bis es grün wird. Es soll recht behalten.










Costa Verde: Minenstädte und Wüstenoase
Die Costa Verde fasziniert durch eine morbide Mischung aus verlassenen Bergwerksorten und einsamen Buchten, die bei Ingurtosu in der bizarren Wüstenlandschaft von Piscinas gipfeln, mit den höchsten Dünen Europas. Wir kommen zunächst durch Montevecchio, der Urmutter der Bergwerksgeschichte Sardiniens. Bis Mitte der 1960er wurde hier in einer der größten Minenanlagen Europas Silber, Zink und Blei gefördert. Manche der alten Häuser sind bis heute bewohnt. Die Villa des Chefs mit Privatkapelle kann in der Saison besichtigt werden. Wir stellen eher zufällig fest, dass der Hintergarten über einen Brunnen mit Gewinde und guter Schüttung verfügt, so dass wir unsere Vorräte aufstocken können.
Die verfallenden Förderbänder, Skelette der ursprünglich reich verzierten Minenbauten, verlassene Schächte und überwachsene Abraumhalden wirken auf mich gespenstisch. Die Flüsse die von hier wegführen, haben bis heute eine unnatürlich rote Färbung. Wir passen auf, dass Nellie nicht daraus trinkt. In der Folge werden wir immer wieder Berge passieren, die durchlöchert, angenagt oder in Teilen abgetragen sind. Die seltenen Erden Sardiniens wurden in den Anfängen vor allem durch Firmen aus dem Ausland, allen voran Großbritannien, geborgen.
Der weitere Weg zum Hotel Le Dune führt in Ingurtosu direkt durch ein Haus. Die Beschriftung des Torbogens versetzt uns zunächst in Schrecken, denn es heißt, die Durchfahrthöhe würde nur 2.60 Meter betragen. Das ist allerdings gelogen. Wir testen es aus und passen auch mit 2,90 Metern Höhe locker durch. Die letzten Kilometer führen über Piste und durch ein Flussbett. Wir witzeln noch, dass man zuerst den Hund durchschicken sollte, um zu wissen, wie tief es ist. Für den Landy allerdings keine Herausforderung.
Und dann stehen wir plötzlich inmitten der goldglänzenden Dünen, vor denen sich das azurblaue Meer aufspannt. Diesen Anblick kenne ich so nur aus Afrika. Atemberaubend. In diesem Sandmeer befindet sich das Hotel Le Dune, ein eher unscheinbarer, einstöckiger Gebäudekomplex, der um diese Jahreszeit verlassen daliegt, nachts aber voll beleuchtet ist – unwirklich. Das Gebäude gehörte früher der Bergwerksgesellschaft, die von hier aus die Erze verschiffte. Diese wurden mit einer Lorenbahn aus dem fernen Ingurtosu angekarrt. Die Schwellen der alten Bahntrasse kann man auf der Piste noch erahnen und hinter dem Hotel liegen, filmreif, alte Teile verrosteter Loren. Da springt sofort das Kopfkino an.
Beim Abendspaziergang durch die Dünen lassen wir Nellie frei laufen. Sie dankt es uns mit einem sonst eher seltenen Lächeln, rennt wie eine Wilde über den Sand, wirft sich rücklings hinein und buddelt Löcher, um anschließend ihre Nase hineinzustecken. Diese hat danach eine gänzlich andere Farbe als sonst. Die Dünengürtel sind auch hier wetterbedingt in Bewegung, tragen aber einen grünen Bewuchs aus dichten Büschen, das perfekte Versteck für Wildtiere. Peter und ich schauen zur gleichen Zeit in dieselbe Richtung und sehen zwischen dem Grün gerade noch die Hörner eines der seltenen Mufflons verschwinden.







Ruhige Silvester
Ein Unterschied zu unserer letzten Reise vor fünf Jahren ist auffällig: sehr viel mehr Pisten als damals sind gesperrt. Wir wählen unsere Routen auf Basis von online und physikalischen Karten aus, doch einige der Wege – die, laut Karte, noch existieren – sind mit Ketten oder gar Toren verschlossen, mit dem Verweis auf Privatbesitz (oder das nahe gelegene Gefängnis Is Arenas, wo man ja nun wirklich nicht landen will). Umso glücklicher sind wir, als wir für die Silvesternacht eine freie Piste finden, die in die Berge hinaufführt. Dort wartet ein ebener Flecken Grün auf uns, einsam, ohne Internetempfang, dafür mit Sonne! Wir können am letzten Tag des Jahres im Freien zu Mittag essen und einen Spaziergang machen, ohne dass uns ein Auto begegnet. Die einzigen zwei Mountainbiker werden von Nellie umgehend in ihre Schranken verwiesen. So verbringen wir eine böllerfreie Nacht bei Kerzenschein und Musik.
Nellie zerrt mich am Neujahrsmorgen den Hügel hinauf. Dort oben kann man das Meer sehen, das Plateau liegt bereits in der Sonne. Während sie ihr Geschäft verrichtet, singe ich uns ein Liedchen und hoffe, dass uns auch 2026 gewogen bleibt.
Dem bis hierhin aufmerksamen Leser wird vielleicht auffallen, dass ich mit keiner Silbe die Nuraghen erwähne, die auf Sardinien allgegenwärtig sind und daher zum Pflichtprogramm gehören. Der Vollständigkeit halber sei hier erklärt, dass die Nuraghier die Insel ab dem zweiten Jahrtausend vor Christus bewohnten. Sie begruben ihre Toten in der Erde und stellten als Schmuckelemente an deren Ende Megalithen auf. Weil diese sehr hoch und schwer sind, hielt sich unter den Sarden lange das Gerücht, die Nuraghier seien Riesen gewesen. Ihre Begräbnisstätten nannte man konsequenterweise Gigantengräber. Wir haben uns auf dieser Reise die Suche nach den Nuraghen erspart, weil wir diese bereits auf zurückliegenden Touren besichtigt hatten. Sich zumindest eines dieser menschlichen Wunder anzusehen, wäre meine dringende Empfehlung.


Golfo di Gonnesa
Eine Stichstraße führt uns am Neujahrstag zur Cala Domestica, einem herrlich türkisblauen Strandabschnitt, der für sich genommen wunderschön ist, vor allem aber dafür bekannt ist, dass man von hier aus einen Durchbruch erklettern und zu einer weiteren, viel kleineren Bucht gelangen kann. Als wir dort ankommen, sind die drei deutschen Wanderer schon da, die wir seit Tagen immer wieder treffen, weil sie – den Küstenwanderweg laufend – in etwa der gleichen Reisegeschwindigkeit unterwegs sind wie wir. Wir wünschen uns gegenseitig ein frohes neues Jahr. Kurz darauf erreichen wir Buggeru, das vor allem bei Surfern sehr beliebt ist. Wir suchen dort den kleinen Supermarkt auf, um unsere Vorräte aufzustocken, bevor wir weiterziehen.
Dem Minenstädchen Masua vorgelagert, ragt ein kreideweißer Monolith über 130 Meter hoch aus dem Meer. Er trägt einen grünen Bewuchs. Seine Oberfläche ist geschwungen wie eine Sprungschanze. Seine rechte und linke Flanke weisen auf Höhe des Meeresspiegels steinerne Bögen auf, die man im Sommer mit einem Boot durchfahren kann. Dem Felsen gegenüber liegt die Steilwand von Porto Flavio. In der Wand ist ein prächtiges Portal zu sehen, das die Bergwerksgesellschaft errichten ließ. Hier endeten die Förderbänder, die durch den Felsen hindurch – abgebautes Blei, Zink, Quarz und Silber transportierten. Das Material wurde durch diese Felsöffnung direkt auf die sehr weit darunter ankernden Frachter verladen. Ein Schauspiel, das man heute nur noch im Museum auf Bildern bestaunen kann.
Den schönsten Blick auf die gesamte Küstenlinie, mit ihren weißen, braunen und tiefroten Felsen, hat man vom Ort Nebida aus. Dort wurde liebevoll ein Panoramaweg angelegt, der Fußgänger zum Flanieren einlädt. Wir machen unzählige Fotos und Selfies. Hier wird auch die Idee geboren, dass wir den ursprünglichen Plan, über die Ostküste die Insel zu umrunden, verwerfen und auf der Westroute kehrt machen. Die neue Variante sieht vor, von Porto Torres im Nordwesten aus, eine Fähre zu besteigen, die uns innerhalb von nur sechzehn Stunden nach Toulon, an der französischen Küste, bringen wird – wo sich für uns auf dieser Winterreise der Kreis schließt.







