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Man sieht auf dem Foto Heidi Metzmeier mit ihrem Land Rover Defender

Konsequenzen

Heidi Metzmeier Icon

Die folgende Kurzgeschichte entstand während einer Übung zum kreativen Schreiben im Rahmen der Autor:innenlounge.
Vorgegeben war ein Zeitungszitat, in dem es um Notsituationen ging.
Wer mich schon länger kennt weiß, dass ich, zusammen mit meinem Partner, im eigenen Land Rover Defender durch Afrika gefahren bin. Von den Abenteuern, die ich dort erlebt habe, erzähle ich in meinen autobiografischen Reiseerzählungen „Unter demselben Himmel“.
Diese Geschichte knüpft daran an, ist jedoch frei erfunden.
Viel Spaß bei der Lektüre.

*****

Ich komme langsam zu mir. Um mich herum herrscht Dunkelheit. Ein modriger Geruch ärgert meine Nase. Mein Körper ruht auf einer weichen Unterlage, fühlt sich jedoch steif an. Jeder Knochen im Leib tut mir weh. Vorsichtig bewege ich den Kopf, das geht schmerzfrei. Gut. Meine Finger lassen sich zur Faust ballen, sind eiskalt, matschgetränkt, aber funktionsfähig. Besser. Ich schaue nach oben. Fahles Licht dringt durch eine kreisrunde Öffnung, vielleicht zwanzig Meter über mir. Nicht so gut. Wie lange liege ich schon hier unten? Wo zur Hölle bin ich überhaupt und wie bin ich hier gelandet?

Schrittweise kehrt die Erinnerung zurück. Peter und ich folgten mit dem Geländewagen einem Pfad durch den Dschungel. Plötzlich endete die Piste, Bäume streckten von überall her ihre Arme nach uns aus. In jede Richtung der gleiche Anblick.
Zentralafrika.
Wir wollten ja unbedingt dorthin, wo alle Straßen enden.

Wie gewohnt, war ich vom Beifahrersitz geklettert und losmarschiert, um zu schauen, ob in diesem Dickicht irgendwo Vorankommen möglich ist. Plötzlich gab die Erde unter mir nach und ich fiel. Ich erinnere mich noch, dass ich schrie. Aber der schwarze Kontinent erstickte meinen Laut.
Jetzt höre ich Zikaden singen, Affen brüllen und noch etwas anderes, das ich nicht zuordnen kann.
Wo ist Peter? Warum sucht er nicht nach mir? Ist ihm selbst etwas zugestoßen?
Ich verspüre den Impuls, seinen Namen zu rufen. Doch etwas hält mich zurück. Mir kommt eine Zeile aus dem Survival-Handbuch für den Busch in den Sinn:
Triff selbst in einer Notsituation keine Entscheidungen, bevor du nicht die Konsequenzen überdacht hast.

Ich sitze in einem tiefen Loch ohne Liane. Welche Konsequenzen habe ich schon zu erwarten, wenn ich Schreie? Es gibt hier keine Pygmäen, die sich an Menschen laben, allenfalls Wildtiere. Jetzt dämmert mir, welcher rhythmische, kehlige Laut zuvor an meine Ohren drang. Löwen, dort oben sind Löwen. Wahrscheinlich ein ganzes Rudel. Mein Herz beginnt zu rasen. Zum Teufel mit den Konsequenzen. Ich schreie mir die Seele aus dem Leib. „Hilfe!“

Gerade als sich ein halbes Dutzend Löwenköpfe über der Öffnung zeigt, rüttelt etwas an meinem Körper.
„Teufel noch mal, musst du so brüllen?“
Ich brauche eine Sekunde, um zu realisieren, dass ich in einem Bett aus Zirbenholz liege, zu Hause, im Loft. Mein Körper ist schweißnass. Peter tastet mich mit seinen wasserblauen Augen ab. Viele Fragezeichen im Gesicht.
„Das Blut des afrikanischen Kontinents, es pulsiert immer noch durch meine Adern, auch nach all den Jahren“, sage ich und gebe ihm einen Kuss.

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